{"id":84,"date":"2013-10-21T20:33:48","date_gmt":"2013-10-21T20:33:48","guid":{"rendered":"http:\/\/radskeller-dresden.de\/?page_id=84"},"modified":"2013-10-21T20:34:57","modified_gmt":"2013-10-21T20:34:57","slug":"wie-der-verein-zu-seinem-lastenrad-kam","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/radskeller-dresden.de\/?page_id=84","title":{"rendered":"Wie der Verein zu seinem Lastenrad kam"},"content":{"rendered":"<h1>Sonntag<\/h1>\n<p>Es war einmal vor langer Zeit, da wollte eine kleine Fahrradselbsthilfewerkstatt ein Lastenrad haben. Denn ohne ein solches war es sehr schwierig und unbequem, all das Werkzeug, welches bei \u201emobilen Terminen\u201c ben\u00f6tigt wurde, quer durch die Stadt zu transportieren. Lange blieb es lediglich bei dem Wunsch \u2013 ein Zukunftstraum &#8211; doch irgendwann war ein wenig Geld \u00fcbrig, und die Vereinsmitglieder begannen, ihre F\u00fchler auszustrecken. Ein neues Lastenrad war unerschwinglich, das war schnell klar. Also musste nach etwas Gebrauchtem Ausschau gehalten werden. Nur gibt es diese nicht gerade wie Sand am Meer und schon gar nicht in der n\u00e4heren Umgebung. So ergab sich selbst bei erfolgreicher Jagd noch immer ein logistisches Problem: Schlie\u00dflich faltet man ein Lastenrad nicht mal eben in den Kofferraum.<\/p>\n<p>Daraufhin erkl\u00e4rte sich Eyk, ein noch leidlich junger Mechaniker des Vereins, bereit, ein etwaiges Gef\u00e4hrt oben genannter Gattung per Muskelkraft in die Heimat zu bef\u00f6rdern, da er sehr gern Rad f\u00e4hrt und noch lieber Urlaub macht. Der Vorstand genehmigte auch sogleich eine Freistellung auf f\u00fcnf Tage, falls eine \u00dcberf\u00fchrungsfahrt notwendig werden sollte. In der Zwischenzeit kraulte Daniel stundenlang durch Datenstr\u00f6me, um ein geeignetes Transportrad ausfindig zu machen. Mehrmals glaubten wir uns dem Ziel nahe und unterlagen dann doch den pekuni\u00e4ren Realit\u00e4ten \u2013 ein Trauerspiel.<\/p>\n<p>Eines Tages aber war es soweit, und ein Bratwurststand wurde gegen eine gewisse Menge lustig bedruckter Papierbl\u00e4ttchen getauscht. Nun konnte die Reise beginnen, von welcher Eyk berichten wird.<\/p>\n<p>\u201eAn einem Sonntag im Juli war es soweit, dass ich mich auf den Bahnhof Dresden-Neustadt begab und in den Zug einstieg. Mein Rucksack war gef\u00fcllt mit jeder Menge Werkzeug und verschiedensten Ersatzteilen, dazu nat\u00fcrlich Schlafsack und Zelt nebst Leckereien sondergleichen. Mein Ziel, zumindest jenes meiner Zugfahrt, hie\u00df Salzwedel in Sachsen-Anhalt, und mein Plan war es, von dort nach Havelberg an der Elbe zu fahren, um dann im Weiteren dem Verlauf des Elberadweges bis nach Dresden zu folgen. Circa 400 bis 450 Kilometer betr\u00e4gt diese Strecke, was mit einem \u201enormalen\u201c Reiserad und etwas gutem Willen in zwei Tagen zu bew\u00e4ltigen ist. Mit dem Lastenrad, welches nat\u00fcrlich ungleich beschwerlicher zu fahren ist, hatte ich mir vorgenommen, bis sp\u00e4testens Freitagabend wieder in Dresden zu sein. Der arme Bernd w\u00fcrde mal wieder eine Woche ohne mich in der Werkstatt auskommen m\u00fcssen \u2013 alleine nicht immer ein angenehmer Job, auch wenn die Arbeit grunds\u00e4tzlich viel Spa\u00df macht. Um mir die Heimreise ein wenig zu erleichtern, hatte ich noch eine speziell verst\u00e4rkte 5-Gang-Nabeschaltung eingespeicht, und so war ich ganz gut bepackt.<\/p>\n<p>Gegen 4 Uhr nachmittags langte ich in Salzwedel an und wurde auch gleich von der Besitzerin des Lastenrades in Empfang genommen. Nach einer kurzen Autofahrt erreichten wir das Restaurant, zu dessen Inventar (respektive Exventar, weil\u00b4s ja immer drau\u00dfen stand) bis vor kurzem noch der fahrbare Bratwurststand geh\u00f6rte. So recht mochte man mir noch immer nicht glauben, dass ich tats\u00e4chlich mit dieser Kiste nach Dresden fahren wolle, ich aber machte mich unverzagt daran, die Nabenschaltung zu installieren.<\/p>\n<p>Nach anderthalb Stunden war der Umbau erledigt, ein anderer Sattel montiert und alles reisegerecht verstaut.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-3.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-91\" alt=\"PICT3888.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-3-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-3-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-3.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zum Abschied gab\u00b4s noch ein Eis und eine Cola und gegen 18 Uhr rollte ich von dannen. Ach herrje, wie sich das fuhr: alles klapperte und schlackerte, in Kurven fiel man fast vom Rad \u2013 eine sch\u00f6ne Bescherung. Was sich der Eyk da nur wieder gedacht hat, mit einer solchen Gurke nach Dresden fahren zu wollen. Aber nun muss es eben sein, kneifen ist nicht. Ob der ungewohnten Fahreigenschaften sa\u00df ich einigerma\u00dfen verkrampft auf dem Rad und versuchte schlingerfrei geradeaus zu fahren, was gar nicht so einfach war. Nach ein paar Kilometern ging\u00b4s dann schon leidlich gut und es machte langsam Spa\u00df.<\/p>\n<p>Dann kam der erste Schaltvorgang: ein Knacken, ein Krachen und nichts drehte sich mehr. Klasse, genau so hatte ich mir das vorgestellt. Eine Lastenradnabe, was? Verst\u00e4rkt, Cargo, hmm? Oller Plastikschei\u00df!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-2.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-90\" alt=\"PICT3890.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-2-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-2-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-2.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Schaltgriff war einfach auseinander gefallen und irgendwelche Nasen abgebrochen. So richtig zusammenstecken lie\u00df er sich nicht mehr und auch die Rasterung war dahin. Super, dann eben doch ohne Schaltung heimfahren. Ich steckte den Schalthebel demnach so halb und halb zusammen und der 4. Gang schien zu halten. Der war nun recht knackig und das Treten in dieser \u00dcbersetzung ist am ehesten damit zu vergleichen, mit zwei Kohleneimern ganz gem\u00e4chlich, jedoch stetig, eine Treppe hinaufzusteigen, nicht so, dass man schnaufen m\u00fcsste, einem aber durchaus die Knie ein wenig beben. Immerhin brachte es mein stolzes Ross mit Grill und Gep\u00e4ck auf ungef\u00e4hr 80 Kilogramm Eigengewicht.<\/p>\n<p>So kam ich bergan auf die geniale Idee, es einmal mit dem guten alten Wiegetritt zu probieren: Ich hatte noch gar nicht ganz angesetzt, da bog mein Gef\u00e4hrt auch schon im rechten Winkel ab und ich polterte unter allerlei Ger\u00e4uschentwicklung einen 20 Zentimeter hohen Bordstein hinauf und konnte ein Umkippen gerade noch unterbinden. Peinlich, peinlich! Hoffentlich hat\u00b4s keiner gesehen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also festhalten, dass eine sitzende Fahrweise deutlich zu bevorzugen ist. Viel mehr als 25 Kilometer bin ich an diesem Abend nicht gefahren und habe mich kurz vor Seehausen ins Unterholz geschlagen, um Nachtlager zu beziehen. Sp\u00e4testens auf Sandwiesenwurzellochwegen macht es so gar keine Laune mehr, mit dem Ding zu fahren: St\u00e4ndig bleibt\u00b4s irgendwo h\u00e4ngen oder biegt unvermittelt ab und von rollen kann keine Rede mehr sein. So entferne ich mich nicht allzu weit von der Bundesstra\u00dfe und nehme eine etwas lautere Nacht in Kauf (wer jemals versucht hat, in einer Bushaltestelle an einer Landstra\u00dfe zu schlafen, wird jeglichen anderen Ort als einen der inneren Einkehr und Ruhe betrachten).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-7.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-85\" alt=\"PICT3898.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-7-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-7-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-7.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch da, pl\u00f6tzlich, w\u00e4hrend ich im Begriff bin, mein Zelt aufzubauen, wohne ich v\u00f6llig unvermittelt einem erhabenen Moment der Evolutionsgeschichte bei: Eine Hummel wird sich direkt vor meinen Augen des Umstandes bewusst, dass sie rein aerodynamisch betrachtet \u00fcberhaupt nicht in der Lage ist, den Vogelflug zu vollziehen, und prompt versagt ihr Flugapparat.<\/p>\n<p>Brummend, summend und zunehmend ungelenker und hilfloser strauchelt das arme Gesch\u00f6pf durch\u00b4s Blaubeergestr\u00e4uch und wehrt sich tapfer gegen sein Schicksal. Doch vergebens, der Flug will nicht mehr gelingen.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise sind Hummeln sehr vergessliche Tiere, sodass jenes Exemplar nach etwa f\u00fcnf Minuten seine unbeschwert summende Existenz wieder aufnehmen konnte.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gibt es in Sachsen-Anhalt M\u00fccken.<\/p>\n<h1>Montag<\/h1>\n<p>Nun denn, der erste wirkliche Reisetag ist angebrochen und ich bin gespannt, wie weit ich kommen werde. Gegen 9.30 Uhr gelingt mir der Aufbruch und ich bewege mich recht z\u00e4h in Richtung Seehausen. Dort falle ich in den erstbesten Supermarkt ein und trage gro\u00dfe Mengen S\u00fc\u00dfigkeiten und verschiedene Getr\u00e4nke heraus. Meine Ern\u00e4hrung auf Radreisen ist mir mitunter selbst in h\u00f6chstem Ma\u00dfe suspekt. F\u00fcr gew\u00f6hnlich setzt sie sich aus gr\u00f6\u00dferen Mengen Salami, Schokoriegeln und Cola, hingegen aber weit kleineren Dosen Brotes zusammen.<\/p>\n<p>Frisch gest\u00e4rkt mit Eis am Stiel setze ich mich wieder in Bewegung Richtung Havelberg. Endlich wird die Landstra\u00dfe schmaler und der Verkehr tendiert gegen Null. Erstmalig kommen etwas Entspannung und Urlaubsgef\u00fchl auf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-6.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-92\" alt=\"PICT3889.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-6-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-6-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-6.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kleine, gem\u00fctliche Kuhd\u00f6rfer werden durchfahren und Zeit wie Kilometer pl\u00e4tschern munter dahin. In Werben an der Elbe biege ich nach S\u00fcden ab und befinde mich nun tats\u00e4chlich auf dem linkselbischen Teil des Elberadweges. Von Radwegen allerdings scheint es einige recht diametral sich gegen\u00fcber stehende Definitionen zu geben. Zumindest ist es mir nicht gelungen, jenen zerl\u00f6cherten Feldweg, welcher mit einem Radwegzeichen versehen war, mit dem sch\u00f6nen Bild in Kongruenz zu bringen, das vor meinem inneren Auge so wunderbar defilierte: ein schwarzes Band sanften Asphalts, das sich, aller Unebenheiten bereinigt, gleichm\u00e4\u00dfig durch idyllische Auen und tiefduftende W\u00e4lder hinzieht, wie es sonst nur mit Honigmilch gef\u00fcllte Fl\u00fcsse in anderen Gegenden tun.<\/p>\n<p>Stattdessen ergab ich mich in wilde Slalomfahrten und bet\u00e4ubte meine Ohren ebenso intensiv mit dem Geschepper meines Gef\u00e4hrtes, wie ich kurz zuvor noch mein inneres Auge mit der Sch\u00f6nheit eines Idealbildes bet\u00f6rt hatte. Wut wandelte sich in Gleichmut und so taumelte ich eine Weile dahin. Schlussendlich schien man Erbarmen mit mir zu haben und lie\u00df in einiger Entfernung ein Dorf erscheinen, das mit anderem Stra\u00dfenbelag frohlockte. Das tat es dann auch wirklich: Kopfsteinpflaster, juchhee! Nat\u00fcrlich mit fehlenden Steinen. Da wurde ich doch ein wenig ungehalten und mein innerer Dialog gestaltete sich alles andere als sublim. Ich frage mich sowieso, woher man dort all die Granitsteine hat, da doch das ganze Land von pleistoz\u00e4nen Geschieben gepr\u00e4gt ist \u2013 totaler Quatsch! Zum Gl\u00fcck ist den Ureinwohnern irgendwann das Kristallin ausgegangen, was sie wohl dazu bewogen hat, sich herabzulassen, doch eine Partie des Radweges mit Bitumen zu versehen. Daraufhin war ich ein wenig befriedet. Nun tauchte auch die erste Fahrzeugsperre auf. Ich n\u00e4herte mich gespannt in der Hoffnung hindurchzupassen. Zu meiner vollen Zufriedenheit hatte man der Bratwurstindustrie ihren Tribut gezollt und den Pollerabstand auf etwas \u00fcber einen Meter festgelegt, sodass ich mit verminderter Geschwindigkeit problemlos passieren konnte.<\/p>\n<p>Das best\u00e4ndige Springen zwischen Pr\u00e4sens und Pr\u00e4teritum ist \u00fcbrigens reines Stilmittel, weshalb es mir nicht als Fehler angerechnet werden darf. Was ich damit bezwecke, behalte ich aber f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Man glaubt gar nicht, wie viele Schrauben ein so simples Gef\u00e4hrt haben kann. Ich bin mir dessen auch erst bewusst geworden, als ich mich dem Versuch hingab, alle lockeren Schrauben festzuziehen \u2013 es waren eben wirklich alle. Nur der Sattel war fest \u2013 immerhin. So verbringe ich ein gutes St\u00fcck Montag damit, mein Fahrrad von \u00fcberfl\u00fcssigen Ger\u00e4uschen zu befreien. Die Pedale sind lose, das Tretlager klappert, das Hinterrad hat Spiel, die Vorderr\u00e4der rutschen auf der Achse hin und her und die Lenkung wackelt. Unglaublich! So gut es nun mit den zur Verf\u00fcgung stehenden Werkzeugen geht, wird alles festgezogen und eingestellt. Welch ein Unterschied! Mit stoischer Ruhe f\u00e4hrt mein Panzer pl\u00f6tzlich geradeaus. Ebenfalls ist die Ger\u00e4uschentwicklung einer deutlichen Deflation unterworfen. Wenn jetzt noch die Schaltung funktionierte, was w\u00e4r` das Leben sch\u00f6n. Die Knie brummen inzwischen nicht ganz unerheblich, ich aber rede mir das Ganze mit einem enormen Muskelwachstum sch\u00f6n. Auch die Defloration des von mir montierten Sattels gestaltet sich weit schwieriger als angenommen. Das Biest wehrt sich energisch und dumpfer Schmerz wallt in mir auf.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit konnte ich weitere Definitionen von \u201eRadweg\u201c erfahren. Sehr beliebt sind mit Betonplatten best\u00fcckte Wege f\u00fcr landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge. Sie werden mit der bereits bekannten Plakette \u201eElberadweg\u201c versehen, woraufhin sich die hellgraue Konglomeratspur augenblicklich in eine Mehrzwecktrasse verwandelt. F\u00fcr den Durchschnittsradwanderer mag eine solche Schneise durchaus etwas Erquickliches haben, f\u00fchrt sie doch fern des \u00fcblichen Verkehrs durch sch\u00f6ne Kulturlandschaften. Als Vertreter der Gattung \u201eTransportradfahrer\u201c verh\u00e4lt sich das allerdings anders und zwar aus Gr\u00fcnden, die ich gleich benennen werde. Diese Wege bestehen n\u00e4mlich aus zwei parallel zueinander verlaufenden Betonspuren mit einem dazwischen befindlichen Streifen aus Schotter, Gras oder auch Betonlochpflaster. Die Betonstreifen wiederum sind in elf von dreizehn F\u00e4llen um circa f\u00fcnf bis zehn Zentimeter schmaler als mein Lastenrad breit, was wiederum bedeutet, dass dieses Ding, welches eh schon nicht richtig rollt, nun auch noch permanent mit einem Rad im Gras oder Lochpflaster h\u00e4ngt. Das Fahrvergn\u00fcgen ist unbeschreiblich! An diesem Tag komme ich bis Bertingen n\u00f6rdlich von Rog\u00e4tz und schlafe aus bekannten Gr\u00fcnden unter steten Verkehrsger\u00e4uschen ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Dienstag<\/h1>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-4.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-87\" alt=\"PICT3911.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-4-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-4-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-4.jpeg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck suche ich mir am Schlafplatz einen Ast und bringe ihn vermittelst meines Taschenmessers in eine von mir erdachte Form. Ich pfropfe den Aststumpf in den Schalthebel und wirke gewaltsam darauf ein bis die Schaltung wieder funktioniert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-86\" alt=\"PICT3892.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wunderbar. Mit Einschr\u00e4nkungen kann indes durchaus wieder geschaltet werden. Na denn man los! Endlich Gegenwind. Ich hatte mich tats\u00e4chlich schon gewundert, wo er bleibt, dieser treueste Freund des Radfahrers. Zum Gl\u00fcck ist der Belag vorerst so gut, dass man sich in Tr\u00e4umereien ergehen kann und die Reisegeschwindigkeit daher zur Nebensache wird. In Rog\u00e4tz nehme ich die Elbf\u00e4hre und wechsele erstmalig ans rechte Elbufer. Die Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse in Sachsen-Anhalt schreien wirklich zum Himmel. Man sollte dringend ein F\u00f6rderprogramm auf die Beine Stellen, um den armen Menschen dort Bitumen, Richtscheite und Stra\u00dfenwalzen zukommen zu lassen. Meine Hinterbacken wurden von dem Ger\u00fcttel auf jeden Fall nicht besser. Gesch\u00fcttelt von Schmerz griff ich interessiert in meine Radhose und wurde recht unvorbereitet mit etwas Glibberigem konfrontiert. Bei n\u00e4herer Betrachtung lie\u00df sich nicht leugnen, dass das wohl mal Haut gewesen war. Na lecker! Demnach gab es erst einmal eine Hand voll Vaseline ins H\u00f6schen.<\/p>\n<p>Im Folgenden tr\u00fcben Schmerz und Ersch\u00f6pfung meine Wahrnehmung, sodass die Ausf\u00fchrungen trotz identischer Tagesl\u00e4nge wohl deutlich k\u00fcrzer ausfallen werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-5.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-89\" alt=\"PICT3909.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-5.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unter den \u00fcblichen Unannehmlichkeiten wie Gegenwind und fehlendem Stra\u00dfenbelag komme ich gut voran und erreiche nachmittags Magdeburg, das mich mit einer wundersch\u00f6nen Parklandschaft begr\u00fc\u00dft, die sich \u00fcber viele Kilometer erstreckt.<\/p>\n<p>Nun beginnt der landschaftlich sch\u00f6nste Teil mit dem \u201eBiosph\u00e4renreservat Mittelelbe\u201c. \u00dcber eine Wegstrecke von einigen Dekakilometern wird man von urspr\u00fcnglich anmutenden Auw\u00e4ldern und ausladenden Schotterfluren begleitet. Ein Genuss f\u00fcr den Naturfreund!<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich gerade wieder ganz fit und alles flutschte, als mich ein wabernd schwabbelndes Gummiquietschger\u00e4usch aus meinem tranceartigen Dahingleiten aufschreckte. Ein Platten! Super, es geht eben einfach nicht ohne die Klassiker. Gegenwind hatten wir schon, da war er schon dran, der Platten. Wunderbarer Weise auch noch am Vorderrad, wo das gr\u00f6\u00dfte Gewicht liegt. Freilich habe ich keine Lust, den kompletten Laderaum auszur\u00e4umen, und selbst dann w\u00fcrde ich beim Umkippen noch das vordere Schutzblech besch\u00e4digen. Kurze Zeit \u00fcberlege ich hin und her, was ich unter die Achse legen k\u00f6nnte, nur habe ich nichts Passendes dabei und Feldsteine sind nicht in Sicht. Wie ich mich so umschaue, bemerke ich, dass die Radwechselabschnittsbevollm\u00e4chtigten so freundlich waren, Montagerampen am Wegesrand zu installieren. Also schob ich meinen invaliden Panzer zur n\u00e4chsten Rampe und auf sie drauf, woraufhin ich sehr gepflegt und stilecht den defekten Schlauch entnehmen konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-86\" alt=\"PICT3892.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie es sich geh\u00f6rt, war es ein Plattfu\u00df sine causa, aber sei es drum. Der Flicken hielt und die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Bis nach Ro\u00dflau habe ich es an diesem Tage noch geschafft. Kurz nach Ortsausgang wollte ich wieder Quartier im Wald beziehen, musste jedoch nach zehn Minuten fluchtartig das Weite suchen, da ich mich der Bremsenangriffe nicht mehr erwehren konnte. Ein St\u00fcck weiter gab es dann eine befestigte Abfahrt zur Elbe herab, welche ich rasant und beinahe kontrolliert bew\u00e4ltigte. Sch\u00f6n war\u00b4s da unten, zudem weitgehend insektenfrei. Dummerweise sa\u00dfen am anderen Ufer zwei Angler und ich f\u00fchlte mich schon arg beobachtet. Zelten im Biosph\u00e4renreservat ist schlie\u00dflich nicht ganz legitim. Also benehme ich mich m\u00f6glichst unauff\u00e4llig \u2013 so kann man sich zum Beispiel eine dreiviertel Stunde lang die F\u00fc\u00dfe waschen. Anschlie\u00dfend schaut man stark gleichg\u00fcltig interessiert in die Gegend, wobei man sich dann und wann durch Nahrungszufuhr in seinem Schauen unterbrechen kann. Danach muss man sich unter Umst\u00e4nden die vom angestrengten Schauen erneut verdreckten F\u00fc\u00dfe waschen. Nur ein Lager aufschlagen \u2013 das sollte man nicht. Eilig hatten die zwei es nicht gerade und so sa\u00dfen wir zu dritt an der Elbe \u2013 ich hier, sie dort. So folgte ich weiter meinem Plan im m\u00f6glichst unauff\u00e4lligen Nachgehen von gewissen Besch\u00e4ftigungen. Einige Zeit nach Einbruch der Dunkelheit verkr\u00fcmelten die beiden sich endlich, was mich bewegte, meine holde Schlafstatt herzurichten. Just als ich ins Zeltinnere Krabbeln will, um friedlich zu entschlummern, h\u00f6re ich neben mir seltsame Ger\u00e4usche von der Art einer Bache mit vier Frischlingen und fahre hoch. Pl\u00f6tzlich schnaubt und grunzt es in einigen Metern Entfernung und tats\u00e4chlich: Eine (nun erschrockene) Bache prescht mit vier Frischlingen im letzten Zwielicht durchs Unterholz davon. Da ging mir der Arsch ganz sch\u00f6n auf Grundeis, wobei die K\u00fchle die entz\u00fcndeten Stellen angenehm linderte. An Schlaf war nicht zu denken. Jedes Rascheln bedeutete mir mindestens zehn Wildschweine. Dazu kam die siebzig Meter entfernte Bundesstra\u00dfe mit einem perversen L\u00e4rmpegel, der schon fast an Bushaltestellenn\u00e4chte heranreichte. So wachtr\u00e4umte und halbschlafte ich bis zum Morgengrauen und war einigerma\u00dfen ger\u00e4dert, aber froh, dass es endlich hell war. Das gesamte Au\u00dfenzelt war mit Schneckenspuren \u00fcberzogen und lustigen gr\u00fcnen W\u00fcrsten zuexkrementiert, einfach ekelhaft.<\/p>\n<p>Was denken die sich eigentlich dabei?<\/p>\n<p>Gegen sieben Uhr war ich startklar. So beginne ich das Tagwerk des Mittwoch, komme aber nicht vom Fleck. Die Rampe, die ich mich gestern hinabgest\u00fcrzt habe, ist so steil, dass ich nicht mehr hochkomme. Beim Versuch, die 80kg dort hinaufzuschieben, kippt das gesamte Fahrzeug lediglich \u00fcber die Vorderachse, rollt aber kein St\u00fcck vorw\u00e4rts. Sch\u00f6ner Mist!<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gelingt es mir, das Rad quer hinauf zu bugsieren, indem ich schr\u00e4g jeweils einen halben Meter vor und wieder zur\u00fcck fahre. Erst einmal gilt es nun wieder Bundesstra\u00dfe zu fahren, was im Berufsverkehr sehr unangenehm ist. In Coswig st\u00fcrme ich einen Plusmarkt und decke mich erneut mit Wurst, S\u00fc\u00dfkram und Cola ein, auf dass der Tag ein erfolgreicher werde. Bis Wittenberg zieht es sich dann recht arg, obgleich es gar nicht weit ist. Dort biegt die Elbe wieder nach S\u00fcden ab und ich schlage jetzt direkten Heimatkurs ein. Der Radwanderverkehr nimmt ab Wittenberg aufs Erstaunlichste zu.<\/p>\n<p>Das Wetter hat es bisher gut mit mir gemeint, heute allerdings macht es Anstalten zu kippen wie ein eutrophiertes Binnengew\u00e4sser. W\u00e4hrend ich auf einem Esstisch vor Kl\u00f6den den Schlaf der Gerechten schlafe, braut sich am Horizont n\u00e4mlich so einiges zusammen. Folglich \u00fcbertreibe ich es nicht mit meinem Mittagsschl\u00e4fchen und begebe mich auf diese Weise erquickt auf die Regenflucht. Mit ein paar geschickten T\u00e4uschungsman\u00f6vern gelingt es mir in den n\u00e4chsten anderthalb Stunden auch, allen Schauern auszuweichen und ich bleibe trocken.<\/p>\n<p>Kurz vor Prettin lieferte ich mir dann bei R\u00fcckenwind noch ein Rennen mit einem siebenundsechzigj\u00e4hrigen Fettwanst auf einer Schwalbe mit H\u00e4nger. Dieses lustige Mopsgesicht und ich verausgabten uns \u00fcber 5 Kilometer Kopf an Kopf bei 22km\/h, wobei wir uns gar witzig unterhielten. Seine qu\u00e4kig schrille Stimme kam mir sehr drollig vor und verlieh der Situation etwas reichlich Absurdes. Diese Zusammenkunft hat mich sehr am\u00fcsiert.<\/p>\n<p>In Prettin wechselte ich per F\u00e4hre wieder aufs linke Elbufer in Richtung Dommitzsch.<\/p>\n<p>Hui, da blies der R\u00fcckenwind. Ich warf mir noch schnell einige Schokoriegel und Cola ein und ab ging\u00b4s auf Touristenjagd. Jetzt wirkte der Kistenaufbau als Segel und es ging sehr rasant zur Sache. Gesch\u00e4tzte 30km\/h waren es schon, was sich auf diesem Geschoss jedoch noch deutlich schneller anf\u00fchlt. Tja, da schauen sie nicht schlecht die Herren und Damen Radwanderer, wenn\u00b4s hinten pl\u00f6tzlich bimmelt und ein Dreikant vorbeigeschossen kommt. Ein Heidenspa\u00df! Da wurde unter \u00e4chzenden Reifen wild durch Kurven gedriftet und wirklich alles und jeder \u00fcberholt. Welche Genugtuung nach all der Kriecherei die letzten Tage. Einige Kilometer hielt ich das durch, dann war die Puste weg. Da kam mir eine Bank mit Tisch gerade recht und ich tarnte meine Ersch\u00f6pfung als Hunger. Nicht lange, da kamen sie auch schon alle angefahren \u2013 jetzt blo\u00df nichts anmerken lassen, eine entspannte Position einnehmen und teilnahmslos wohlwollend in die Runde blicken. Nicht, dass ich eine Pause n\u00f6tig h\u00e4tte, nein, nein. Ich kann es mir nur einfach leisten hier herumzusitzen, so schnell wie ich bin.<\/p>\n<p>Nach angemessener Verschnaufzeit nahm ich gem\u00fctlich wieder Fahrt auf und hatte inzwischen enorm mit meinem Hinterteil zu k\u00e4mpfen. Ich ging jetzt dazu \u00fcber, mit dem Stei\u00dfbein auf der Sattelspitze zu sitzen, was vorerst Entlastung brachte. Bald war Torgau erreicht und es roch schon sehr stark nach Heimat. Auch war ich mir nun sicher, dass ich bereits am Donnerstag Dresden erreichen w\u00fcrde. Blo\u00df gut, denn so langsam wurde der Kampf mit dem Schweinehund anstrengend. Ich hatte einfach keine Lust mehr zu treten und gleich gar keine zu sitzen, musste aber doch beides tun, um irgendwann anzukommen und endlich zu entspannen.<\/p>\n<p>Beim zu flotten Durchfahren eines Stra\u00dfengrabens in Torgau h\u00e4tte ich mich dann fast noch \u00fcberschlagen \u2013 gerade noch mal gut gegangen. Etwas s\u00fcdlich von Torgau unterhielt ich mich dann noch \u00e4u\u00dferst wonniglich mit einem Herren mittleren Alters \u00fcber die Besonderheiten beim Befahren balinesischer Vulkane mit dem Fahrrad, ehe ich neuerlich einer Schlechtwetterfront gewahr wurde und wiederum die Flucht ergriff.<\/p>\n<p>An einer Stra\u00dfenkreuzung in We\u00dfnig war ich gezwungen einen Augenblick innezuhalten, um mich des korrekten Weges zu vergewissern, wobei mir zwei adrette junge Damen auffielen, die sich mitten auf der Kreuzung im Gespr\u00e4ch befanden und mir gegen\u00fcber ihre Verwunderung zum Ausdruck brachten, welch seltsame Gef\u00e4hrte in der letzten Stunde doch hier vor\u00fcber gefahren w\u00e4ren, und dass ich dem Ganzen nun noch die Krone aufsetzte. Begl\u00fcckt durch das weibliche Zwischenspiel nahm ich gut gelaunt wieder Fahrt auf. Aus einiger Entfernung sah ich dann, wie sich das Duo trennte und eine der beiden Damen meine Verfolgung aufnahm, ohne dies vielleicht wirklich getan zu haben. Auf jeden Fall nahm ich etwas Druck vom Pedal, denn was kann es schaden, sich von der holden Weiblichkeit einholen zu lassen. Es dauerte auch nicht lange und sie fuhr an mich heran. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch und es stellte sich heraus, dass sie ortskundig war. Sie meinte, wenn ich nach Belgern wolle, so kenne sie da wohl eine Abk\u00fcrzung \u2013 ich m\u00fcsse ihr nur folgen. So f\u00fchrte sie mich \u00fcber Schleichwege durch die Dahlener Heide und wir unterhielten uns \u00e4u\u00dferst angeregt \u00fcber das Damals und Heute der Dresdener Kunsthochschule. Sch\u00f6n war\u00b4s und schade, das sie in Belgern bereits ihr Ziel erreicht hatte.<\/p>\n<p>So machte ich mich allein wieder in die Spur, doch durchaus frohen Mutes. Petrus schien sich meine Finten vom fr\u00fchen Nachmittag gemerkt zu haben und schickte nun eine Regenfront auf der gesamten Breite des Horizontes, die Sau!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-8.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-88\" alt=\"PICT3914.JPG\" src=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-8-300x225.jpeg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-8-300x225.jpeg 300w, https:\/\/radskeller-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Unknown-8.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das war vielleicht eine fiese Dusche. Auch mein Kisteninhalt schwamm lustig vor sich hin.<\/p>\n<p>So hielt ich am ersten Haus von Plotha und fragte drei Herren, ob sie nicht einen Unterschlupf f\u00fcr mich w\u00fcssten. Als ich meinte, ein Schuppen w\u00fcrde gen\u00fcgen, entgegnete einer von ihnen, ich k\u00f6nnte im alten F\u00e4hrhaus von M\u00fchlberg unterschl\u00fcpfen. Er sei der F\u00e4hrmann und da ginge das schon in Ordnung. Klasse Sache, man muss halt nur mal den Mund aufkriegen. Also fuhr ich noch die zwei Kilometer und tats\u00e4chlich: an der F\u00e4hre gab es ein H\u00e4uschen mit Schuppen. Nach kurzem Aufr\u00e4umen passten dann auch Fahrzeug und Fahrer hinein. So verbrachte ich die Nacht im Trockenen und konnte gem\u00fctlich dem pl\u00e4tschernden Regen zuh\u00f6ren. Geschlafen habe ich aus unerfindlichen Gr\u00fcnden trotzdem nicht gut, weshalb ich Punkt 6 Uhr der erste F\u00e4hrgast nach M\u00fchlberg war. Am anderen Ufer sa\u00df Adebar auf einer Laterne und bot zu morgendlicher Stunde einen sch\u00f6nen Anblick dar, wie er so sein Reich \u00fcberblickte.<\/p>\n<p>Ich kehrte in M\u00fchlberg beim B\u00e4cker ein und nahm einen guten Kaffee zu mir. Die B\u00e4ckersfrau schenkte mir Kuchen f\u00fcr den Tag und ich war gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Der Rest des Vormittags war eine sch\u00f6ne Mischung aus Schmerzen, Unlust, Ersch\u00f6pfung und dem guten Gef\u00fchl, bald zu Hause zu sein. Halb eins war es endlich geschafft und ich sa\u00df gl\u00fccklich in unserer Werkstatt, anderthalb Tage schneller als gedacht und einfach nur froh, diese wunderbare Reise gemacht zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag Es war einmal vor langer Zeit, da wollte eine kleine Fahrradselbsthilfewerkstatt ein Lastenrad haben. Denn ohne ein solches war es sehr schwierig und unbequem, all das Werkzeug, welches bei \u201emobilen Terminen\u201c ben\u00f6tigt wurde, quer durch die Stadt zu transportieren. 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